Ein Fachbeitrag über Angst, den Überlebensmodus und warum wir uns manchmal selbst krank machen
Ja, ich weiss – das Thema würde locker ein ganzes Buch füllen. Trotzdem komme ich nicht daran vorbei, es hier wenigstens kurz anzuschneiden. Hast du schon eine spontane Antwort auf die Frage «Wovor hast du eigentlich Angst?» Oder gehörst du zu den Menschen, die sowieso vor fast allem Angst haben? Ich kann’s verstehen, unsere Welt wird gefühlt immer beängstigender. Wenn du mir nicht glaubst, lies die Nachrichten: Katastrophen, Kämpfe, Kriege, Warnungen, Pandemien, Schocks, Traumas, Chaos, Lockdowns, Verbote, Infernos, Abstürze, Steuerhinterziehungen, Betrügereien, Lügen, Mord, Erpressung und Totschlag – und das war nur die erste Seite eines Online-Magazins, an einem einzigen Tag. Kein Wunder, dass man sich eher fragt, wer da eigentlich keine Angst hat. Beängstigend ist das alles – ausser vielleicht die Steuerhinterziehung. Da muss höchstens der Betrüger Angst haben, nämlich davor, erwischt zu werden.
Der Überlebensmodus: Wenn der Körper auf Alarm schaltet
So unterhaltsam diese Aufzählung klingt: Fachlich betrachtet steckt dahinter ein ernstes Muster. Viele unserer Ängste sind nämlich irrational – sie beziehen sich auf Dinge, die niemals eintreffen werden. Eine ziemliche Energieverschwendung, und schade um die gute Laune noch dazu. Denn jedes Mal, wenn wir Angst empfinden, versetzt sich unser Körper in den sogenannten Überlebensmodus: Herzschlag, Atmung und Muskelspannung steigen, die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf die vermeintliche Bedrohung.
Dieser Überlebensmodus ist eine angeborene, im Nervensystem verankerte Reaktion, die uns blitzschnell reagieren lässt, sobald Gefahr droht. Instinkt sei Dank! Früher hat er uns tatsächlich vor realen Gefahren gerettet, etwa vor wilden Tieren – nur so konnten wir überleben. Sobald die Gefahr vorüber war, schaltete der Körper von selbst wieder zurück in den normalen Lebensmodus: Herzschlag, Atmung und Muskeln entspannten sich. Ist unser Körper nicht wunderbar?
Was wir von Tieren lernen können: das neurogene Zittern
Bei Tieren funktioniert das im Grunde genau gleich – nur mit einer Technik, die wir Menschen fast vollständig verlernt haben oder uns abtrainiert wurde: Sie erlauben sich, nach der Gefahr noch zu zittern. Ja, ich spreche vom Angst-Zittern, in der Fachsprache neurogenes Zittern oder Tremor genannt. Alle Säugetiere verfügen über diese Fähigkeit, deren Zweck es ist, die Anspannung des Nervensystems nach einer Erregung wieder abzubauen. Es gibt inzwischen sogar Kurse, die genau das trainieren – sehr zu empfehlen, sich das einmal genauer anzuschauen. Zittre die Angst einfach weg. Cool, nicht?
Der Säbelzahntiger ist längst ausgestorben
Nur: Für uns Menschen gibt es die meisten dieser realen Gefahren schon lange nicht mehr – zumindest nicht in Mitteleuropa. Wann hast du zuletzt einen Säbelzahntiger, ein Mammut oder einen Dinosaurier gesehen – ausser im Kino? Und falls du doch einmal einem Tiger, einem Berglöwen oder was auch immer gegenüberstehen solltest: Ausrufe wie «Kitty, Kitty» oder «pspsps» sind nicht wirklich zielführend. Ja gut, für den Tiger oder den Berglöwen wahrscheinlich schon – das beschleunigt das Gemetzel dann wahrscheinlich nur.
Irrationale Ängste im Alltag
Zurück zu den irrationalen Ängsten, die denselben Überlebensmodus auslösen wie einst der Säbelzahntiger. Heute haben wir Angst vor absolut nicht lebensbedrohlichen Dingen: vor Deadlines, dem Versäumen von Terminen, davor, nicht zu genügen, vor zu wenigen Freunden auf Social Media, zu wenig Likes, einem bad hair day, davor, etwas zu versäumen (Fomo), und vielem mehr. Aber ich kann dir versprechen: Auch dein Chef, deine Arbeit, deine Kunden oder deine Social-Media-Freunde bringen dich nicht um. Also hoffe ich zumindest. Vom Versprechen ausgeschlossen sind natürlich Auftragskiller, Psychopathen, Mafiabosse und andere Kartellbosse – für euch schreibe ich dann das nächste Buch: INS SCHWARZE! Time out! oder so ähnlich. Vorbestellungen jederzeit gerne per Mail an info@sn-coaching.com.
Wenn Angst krank macht
Bei den übrigen, irrationalen Ängsten geraten wir dagegen ständig in einen Zustand von Dauerstress – und das ist auf Dauer schlicht nicht gesund. So viel Energie hat unser Körper nicht rund um die Uhr zur Verfügung. Die Folge: chronischer Stress, Erschöpfung, psychische Probleme. Und all das kann sich dann wunderbar in Krankheiten im Körper manifestieren.
Ein Beispiel aus der Praxis: Bluthochdruck. Muss der Körper das Blut 24/7 mit Hochdruck durch die Gefässe schiessen – vergleichbar mit einem Gartenschlauch, der im Dauermodus voll aufgedreht ist –, platzt das Werk irgendwann. Beim Körper nennt sich das dann Schlaganfall. Beim Gartenschlauch: geplatzt, kaputt.
Krankheit als Botschaft
Für absolut alle Krankheiten und Wehwehchen im Körper gibt es eine logische Erklärung – und häufig auch eine psychische Ursache. Die meisten davon haben mit Angst zu tun, wen wundert’s. Das heisst jetzt nicht, dass du selbst schuld an deinen Krankheiten bist, zumindest nicht unbedingt. Aber es macht durchaus Sinn, sich das auch von dieser Seite aus anzuschauen und den Ursachen auf den Grund zu gehen – aber bitte erst dann, wenn du wirklich, wirklich dazu bereit bist und es leid bist, anderen die Schuld dafür zu geben.
Und: Man stirbt nicht plötzlich an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Da gab es immer viele kleine Warnhinweise davor. Wir haben nur verlernt, auf unseren Körper zu hören. Aber dafür gibt es ja mich – als Dolmetscherin zwischen dir und deinem Körper.
Fazit
Angst gehört zum Leben – sie hat uns über Jahrtausende das Überleben gesichert. Problematisch wird es erst, wenn der Überlebensmodus dauerhaft aktiv bleibt, obwohl gar keine reale Gefahr mehr besteht. Der erste Schritt ist deshalb denkbar einfach, aber wirkungsvoll: die eigenen Ängste bewusst wahrnehmen und hinterfragen, ob sie einer realen oder einer irrationalen Bedrohung entspringen. Wer das übt, gibt seinem Nervensystem regelmässig die Chance, aus dem Alarmzustand wieder in den normalen Lebensmodus zurückzufinden – und nimmt damit die beste Vorsorge gegen Dauerstress und seine gesundheitlichen Folgen selbst in die Hand.
Ich begleite Menschen dabei, die Sprache ihres Körpers wieder zu verstehen und mit Ängsten und Stress gesund umzugehen. Kontakt: info@sn-coaching.com
Dieser Beitrag ist inspiriert von einem Kapitel aus meinem Buch „Just me! …nicht normal!“ – erster Band der Buchserie INS SCHWARZE.
Wovor hast du Angst? Wenn du im Überlebensmodus steckenbleibst