Was hat der, was ich nicht hab? Sicher nicht das, was du auf Social Media siehst. Oder glaubst du wirklich, dass das Leben aller anderen bunter und aufregender ist als deins? Was du dort siehst, sind Highlights – und viele davon sind gar keine, sondern gefakte Fotoshootings: retouchiert, aufgehellt, farbiger gemacht. Niemand postet die grauen Tage. Wir wissen das alle. Und vergleichen trotzdem. Das Spannende daran: Das funktioniert auch umgekehrt. Sobald andere dein Gras grüner finden, fühlst du dich plötzlich verpflichtet, es zu erklären.
Was antwortest du auf „Du bist auch immer auf Urlaub!“?
Dieser Satz hat mich früher ordentlich getriggert. Mittlerweile weiss ich, warum – und deshalb lautet meine Antwort heute: „Stimmt!“ Punkt. Viele sind mit dieser Antwort ziemlich überfordert. Sie wollen „gefälligst“ eine Entschuldigung hören. Aber ich muss mich weder erklären noch rechtfertigen. Entschuldigen, dass ich mir ein schönes Leben mache? Kannst du ja auch. Du musst es nur tun.
Und nein, ich lungere nicht nur am Strand herum und trinke Rotwein – obwohl der nie fehlen darf. Nach 20 Minuten Strand ist mir langweilig. Ich will wandern, Kultur erleben und vor allem: mich weiterbilden. Weiterbildung im Urlaub? Für viele unvorstellbar. Für mich genau das Richtige.
Der Reflex, uns zu erklären, sitzt tief. Selbst wenn wir niemandem etwas schulden, liefern wir eine Begründung. Wir machen unser eigenes Gras ein bisschen brauner, damit das der anderen nicht so blass wirkt.
Warum rechtfertigen wir uns ständig?
Kurz gesagt: aus Angst, nicht mehr dazuzugehören, wegen des Neids anderer und weil wir es von klein auf so gelernt haben.
Weil wir dazugehören wollen. Über Jahrtausende war die Gruppe überlebenswichtig. Wer zu sehr auffiel, riskierte, ausgestossen zu werden. Dieses Programm läuft heute noch. Mit jeder Erklärung senden wir das Signal: „Keine Sorge, ich bin nicht besser als ihr.“
Weil hinter der Bemerkung oft Neid steckt. „Du bist auch immer auf Urlaub“ ist selten eine harmlose Feststellung. Meist steckt ein Vergleich dahinter, der für das Gegenüber nicht gut ausgeht. Und wir liefern prompt den Ausgleich: Es war ein Schnäppchen. Ich hab eh gearbeitet. Das war ja beruflich.
Weil wir es von klein auf gelernt haben. Und zwar nicht nur zu Hause. Wer früher zur Beichte musste, weiss, wovon ich rede. Da sassen wir als Kinder im Beichtstuhl und zählten Sünden auf, die gar keine waren: einmal geschwindelt, die Schwester geärgert, beim Essen getrödelt. Für mich gibt es ohnehin keine Sünden – und schon gar nicht bei Kindern. Kinder sündigen nicht, Kinder probieren aus. Genau so lernen sie. Was für ein Nonsens, ihnen etwas anderes einzureden.
In der Schule ging es weiter. Vor Lehrern und anderen sogenannten Autoritäten mussten wir ständig Rede und Antwort stehen: „Warum hast du das gemacht?“ „Was hast du dir dabei gedacht?“ Meine Güte, wir waren Kinder! Da testet man eben Grenzen. Und gedacht hat man sich dabei meistens gar nichts – ausser vielleicht: Mal schauen, was passiert.
Die Kindheit ist längst vorbei, die Rechtfertigungen sind leider geblieben. Heute sitzt kein Pfarrer mehr hinter dem Gitter und kein Lehrer mehr am Pult. Trotzdem antworten wir noch immer, als müssten wir vor ihnen geradestehen – sobald jemand eine Augenbraue hebt oder sagt: „Du bist auch immer auf Urlaub.“
Was passiert, wenn du dich rechtfertigst?
Du gibst dem anderen recht. Denn jede Rechtfertigung ist ein kleines Schuldeingeständnis. Sobald du anfängst zu erklären, akzeptierst du stillschweigend, dass es etwas zu erklären gibt.
Und nicht nur das: Mit jeder Rechtfertigung beweist du dir selbst, dass du es dir eigentlich nicht erlaubst. Nicht den Urlaub, nicht den Genuss, nicht das schöne Leben. Das ist meist ein viel grösseres Thema als die Bemerkung des anderen. Und genau da lohnt es sich anzusetzen – allein oder gemeinsam mit mir.
Wie hörst du auf, dich ständig zu rechtfertigen?
Der erste Schritt: den Reflex bemerken. Ganz loswerden wirst du ihn nicht von heute auf morgen, aber schon das Bemerken verändert etwas. Wenn du dich das nächste Mal dabei ertappst, dein Leben kleinzureden, frag dich: Mache ich das gerade für den anderen? Oder weil ich es mir selbst nicht erlaube?
Und dann probier es einmal mit einem schlichten „Stimmt!“ Kein Kleinreden, keine Entschuldigung, kein Nachsatz. Du wirst staunen: Plötzlich liegt der Ball beim Gegenüber.
Wo erlaubst du dir selbst etwas nicht – und woher kommt das? Genau da setze ich in meinen Coachings und Readings an. Gemeinsam schauen wir hin, was dich antreibt und was dich bremst, damit du dein Leben nicht mehr erklären musst, sondern einfach leben kannst. Ob in Dornbirn, Wien oder online: Melde dich gerne bei mir: info@sn-coaching.com
Denn du musst dein Gras nicht braun färben, damit sich andere besser fühlen. Und du musst auch nicht neidisch über den Zaun schauen – das Gras dort ist ohnehin oft künstlich. Kümmere dich um deinen eigenen Rasen. Er darf so grün sein, wie du ihn haben willst. Und wenn er nicht perfekt ist – oder sogar ein bisschen künstlich? „Stimmt!“ Steh dazu!
Häufige Fragen zum Thema Rechtfertigen
Weil der Reflex tief sitzt. Wir wollen dazugehören, reagieren auf den Neid anderer und haben von klein auf gelernt, für alles Rede und Antwort zu stehen – zu Hause, in der Schule und oft auch in der Kirche.
Oft ja. Wer sich rechtfertigt, beweist sich selbst, dass er sich etwas nicht ganz erlaubt – den Urlaub, den Genuss oder einfach ein schönes Leben. Genau dort lohnt es sich hinzuschauen.
Probier es mit einem schlichten „Stimmt!“ – ohne Kleinreden, ohne Entschuldigung, ohne Nachsatz. Damit nimmst du den versteckten Vorwurf nicht an, und der Ball liegt beim Gegenüber.
Bemerkungen wie „Du bist auch immer auf Urlaub“ sind selten harmlos. Meist steckt ein Vergleich dahinter, der für das Gegenüber nicht gut ausgeht. Mit unserer Rechtfertigung liefern wir den Ausgleich – auf unsere eigenen Kosten.
Im Coaching schauen wir gemeinsam hin, wo du dir selbst etwas nicht erlaubst und woher das kommt. Silvia Nussbaumer begleitet dich dabei in Dornbirn, Wien oder online.
Über mich
Silvia Nussbaumer ist Experte für Face Reading, Profiling und Leadership Coaching mit über 20 Jahren Erfahrung. International ausgebildet und mit einer ebenso internationalen Kundschaft aus Wirtschaft, Industrie, Privatpersonen und Polizei, verstehe ich mich als Dolmetscher zwischen Mensch und Körper – ich lese Persönlichkeit, Talente und Lebensaufgaben und mache dieses Wissen in Coachings und Readings nutzbar. Mehr über mich